Die „Tour de Neu Wulmstorf“ fand am 23. August zum sechsten Mal statt. Thomas Grambow, Ratsmitglied und Vorsitzender des Bau- und Planungsausschusses stand für Berichte und Auskünfte zur Verfügung. Ebenfalls wieder dabei war Bürgermeister-Kandidat Tobias Handtke. Seit 2011 bietet die SPD Neu Wulmstorf diese Rundgänge an, um mit Bürgerinnen und Bürgern über Erreichtes in der alten Wahlperiode und Wünschenswertes für die neue zu sprechen.
 

Station 1: Wirtschaftsförderung als Aufgabe von Rat und Verwaltung


Auf dem Rathausplatz begrüßten Thomas Grambow und Tobias Handtke die mitradelnden Gäste herzlich zur sechsten Sonntagvormittag-Radtour. „Diesmal geht es um die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Gemeinde“, begann Tobias Handtke die Einführung. Denn mit gut laufenden Wirtschaftsbetrieben stehe nicht nur die fiskalische Basis der Gemeindefinanzen in Verbindung, die als durchaus stabil bezeichnet werden kann. Es geht auch um gute Arbeitsplätze vor Ort, moderne Energiekonzepte der Unternehmen sowie eine passende Verkehrsanbindung. Die Verbindung zum Rathaus besteht dabei in der Planung der Flächennutzung im Gemeindegebiet.
 

Um alle Aspekte zu berücksichtigen und voranzubringen, bemühen Verwaltung und Gemeinderat sich seit vielen Jahren um eine zukunftsorientierte Gewerbeentwicklung. Und das sei nicht immer einfach, so Thomas Grambow. Denn man müsse eben auch immer bedenken, dass die Gemeinde zwar einen Rahmen setzen kann, der aber von den Unternehmen ausgefüllt werden muss. Damit diese Entwicklung aktiv gefördert werden kann, arbeitet die Gemeinde seit langem mit der WLH (Wirtschaftsentwicklung im Landkreis Harburg) zusammen. Für die Gemeinde Neu Wulmstorf arbeitet dort eine erfahrene Kollegin, die den Markt beobachtet, Kontakte herstellt, bei der Planung und Umsetzung berät. „Hier eine gute Fachkraft nutzen zu können, ist
ein ausgesprochener Gewinn für uns in Neu Wulmstorf“, bewertet Tobias Handtke. Die WLH bringt zudem den Vorteil, dass sie ein größeres Umfeld im Blick haben kann, als es die Gemeinde könnte. So stehe man in Verbindung mit Unternehmen in Lüneburg. Die Betreiber der neuen Seniorenresidenz kommen aus dem Raum Bremen. Und Logistiker sind prinzipiell Ortsungebunden. Sie könnten sich überall ansiedeln. Hier spricht beispielsweise für Neu Wulmstorf, dass man sich jetzt schon auf die künftig noch besseren Verkehrsanbindungen ausrichten kann, wenn die Autobahnen endgültig alle verbunden sind.

Station 2: Gewerbe rund um die Kantstraße


Der erste Halt erfolgte am Landschaftsschutzgebiet bei Firma Kroop. Das Gebäude sei von au ßen eher unscheinbar, so Tobias Handtke. Es verberge auf diese Weise, dass hier ein innova tives Unternehmen tätig ist, was weit über die angebotene Produktpalette hinausgeht. Denn das Haus selbst verfügt über eine autarke Energieversorgung mit Gründach und Fotovoltaik-Anlage. Auch Firma Zajadacz sei ein sehr innovatives Unternehmen, wenn auch auf andere Art und Weise. Hier sei die hocheffiziente Automatisierung in der Verteilung besonders beachtenswert. Weiter fuhr die Gruppe an Firma Voss vorbei, die trotz geringer Flächennutzung eine hohe Wirtschaftskraft vorweisen kann. Weiterhin ist vor kurzem Firma Segro nach Neu Wulmstorf gezogen. Hier ist bemerkenswert, dass die Lücke geschlossen werden konnte, die Firma Schwarz-Cranz bei der Schließung hinterließ. Die Firma „Zum Dorfkrug“ ist ein klassiches Beispiel für ein erfolgreiches Familienunternehmen, dass heimatverbunden Neu Wulmstorf sogar bis zum Madison Square auf die Werbetafel gebracht hat. Als Arbeitgeber sind alle Neu Wulmstorfer Unternehmen beliebt, und zwar nicht nur für ortsansässige Beschäftigte. Die Anzahl
der Berufs-Einpendler ist erstaunlich hoch.
 

Beim Gewerbegebiet rund um die Kantstraße ist zudem interessant, dass Neu Wulmstorf von Beginn an immer das Konzept der Verbindung von Arbeit und Wohnen verfolgte. Das macht auch die im Laufe der Zeit manchmal notwendige Anpassung möglich. Besonders deutlich wird dies bei den Lessinghöfen. Dies war früher ein Gewerbegelände für den Lebensmittel-Großhandel. Nachdem dieser Wirtschaftszeig sich insgesamt verkleinerte, weil die Betriebe heute von Zentrallagern aus versorgt werden, konnte im Rahmen dieses Mischkonzeptes durch eine Investitionsanfrage Wohnbebauung angesiedelt werden. 


Station 3: Ortsentwicklung mit Einzelhandel in der Bahnhofstraße


Beim Stopp vor dem vormaligen Sparkassen-Gebäude erläutert Tobias Handtke, dass die Gemeinde diese Immobilie vor kurzem angekauft hat, nachdem die Sparkasse in ihre neuen Räume weiter südlich gezogen ist. Dieser sehr zentral gelegene Ort solle einen neuen Impuls für die Ortskernentwicklung leisten. Zwar ist der Verwendungszweck noch nicht endgültig beschlossen. Klar sei aber, dass es für die Gemeinde hier nicht um die meistbietende Vermarktung einer Gewerbefläche geht, sondern vielmehr um eine sozial motivierte Nutzung, die der ganzen Bevölkerung einen Zugewinn bringt, ohne Profiterzielung, aber auch ohne ein finanzielles Risiko.


Mit Blick auf die umliegenden Einzelhandelsflächen mit zum Teil Leerstand wird deutlich, dass sich der gesellschaftliche sowie auch der wirtschaftliche Wandel auch in Neu Wulmstorf auswirkt. Hier passende Entwicklungsvorschläge zu machen, ist eine schwierige Aufgabe, der sich aber Rat und Verwaltung gern stellen. Es gehe schließlich um die Zukunft des Orts, so Handtke, bei der man möglichst „vor die Welle kommen“ sollte. Für den Kernort hat der Rat deshalb das „Integrierte Stadt-Entwicklungs-Konzept“ (ISEK) beschlossen, mit dem auch die gewerblichen Nutzungen neu überplant werden können. Eine Einzelhandelslandschaft wie, wir es aus den Anfängen der Bahnhofstraße bis vor 20 Jahren noch kennen wird es aber nicht mehr geben. Die Verantwortung dafür liegt in erster Linie bei uns Verbrauchern, denn der bequeme Internethandel hat den Einzelhandel massiv minimiert. Das können wir beklagen, zeigt aber auch, welche Kraft und welchen Einfluss wir als Verbraucher für auf die Entwicklung haben.
 

Station 4: Tourismusentwicklung mit Hotel-Neubau an der Hauptstraße
 

Die teilnehmenden Gäste wollten es kaum glauben, als Hotel-Eigentümer Spiridon Pappas, den meisten als „Spiro“ bekannt, erklärte, dass Neu Wulmstorf ein zunehmend beliebter Tourismusort sei. Man kann sich schon gut vorstellen, dass NW als Ausgangspunkt für Heide und Altes Land sowie für Hamburg gut geeignet ist. Zumal sich Übernachtungspreise hier im Vergleich in Grenzen halten. Aber, so Spiro, „es war wirklich interessant, dass wir vor kurzem eine italienische Reisegruppe hier hatten, die das alles gar nicht besuchen wollte.“ Die Reisenden blieben in Neu Wulmstorf und waren begeistert. Und wovon? Von den Häusern und schön gepflegten Gärten, von der Offenheit der Grundstücke und Menschen. Es sei hier erkennbar, so habe die Reisegruppe berichtet, dass es den Menschen hier gut geht und sie trotzdem sicher genug leben können, um sich nicht hinter Zäunen und hohen Mauern einzuigeln. Das sei etwas ganz Besonderes. Und das machte auch die SPD-Gruppe nachdenklich. Oft sieht man gar nicht mehr, welche Schönheiten und Vorteile man im Leben genießen und nutzen kann.
 

Herr Pappas führte der Gruppe mit Stolz noch sein laufendes Bauvorhaben vor. Einige Räume sind schon bald fertig. Die meisten sind barrierearm ausgestattet. Es wird einen großen Frühstücksraum zur Straßenseite geben, der auch den Neu Wulmstorfer Gästen für Gruppenbuchungen zur Verfügung stehen soll. Von innen sieht man, was von außen nicht sofort erkennbar ist: Es geht weiter, die Eröffnung lässt nicht mehr lange auf sich warten. Herr Pappas sagt das mit Bedacht. Denn er habe sich immer nach den eigenen Möglichkeiten gerichtet. Und dann sei eben nicht immer alles auf einmal möglich und müsse nach und nach gemacht werden, so seine Lebensweisheit.
 

Die Gruppe nahm zum Schluss noch einen Kaffee in der Gaststube ein, denn inzwischen hatte es angefangen zu regnen, so dass die geplante Weiterfahrt per Rad nach Elstorf eben ins Wasser fiel. Gemütlich am Tisch sitzend beantworten Handtke und Grambow weitere Fragen und erläutern u.a. den aktuellen Stand zum entstehenden kleineren Gewerbegebiet in Elstorf, das vielen ansässigen Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten bieten soll.