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Hilfe! Kein Termin beim Arzt?

Was kann die Lokalpolitik tun?

Info- und Diskussionsveranstaltung der SPD Neu Wulmstorf

Am 25.09.2019 um 19:30 Uhr im Kartoffelhaus „papas“

Die SPD Neu Wulmstorf sieht, wie viele Bürgerinnen und Bürger, eine zunehmend schlechter werdende Ärzteversorgung in der Region. Auf Landkreisebene und im Gemeinderat wurden Anträge gestellt, die sich mit alternativen Modellen beschäftigen. Mit Norbert Eckhardt, Allgemeinmediziner aus Elstorf, haben die Sozialdemokraten einen Fachmann als Mitglied gewonnen, der sich bereits bei der SPD im Landkreis engagiert und seine Erfahrungen und Lebensrealitäten einbringt.

„Natürlich können wir immer auf die höheren politischen Ebenen und Zuständigkeiten - wie Land und Bund - verweisen, aber damit können und wollen wir uns nicht zufrieden geben,“ erklärt der Vorsitzende der SPD-Gemeinderats- und Kreistagsfraktion, Tobias Handtke.

Für die SPD vor Ort ist klar, dass dieses Thema eine zentrale Frage der zukünftigen kommunalen Daseinsvorsorge ist. „Wir freuen uns, dass an diesem Abend neben Norbert Eckhardt auch unser Ratsmitglied Thomas Goltz und unser Bürgermeister Wolf Rosenzweig zu den Möglichkeiten und bisherigen Initiativen berichten", so die Ortsvereinsvorsitzende Rosy Schnack.

 Eindrucksvoll sind die Erfahrungserlebnisse von Norbert Eckhardt, der neben seiner Praxis auch viele Jahre für die kassenärztliche Vereinigung gearbeitet hat. Mit diesem Fundus an Wissen und eigenen Erfahrungen will er sich stark machen für die Patientinnen und Patienten in unserer Region.

„Auf der Suche nach einem Hausarzt, erleben vor allem neu zugezogene Bürgerinnen und Bürger eine Odyssee. Woche für Woche müssen mein Praxisteam und ich Menschen mit Behandlungswunsch enttäuschen. Das tut in der Seele weh,“ sagt Hausarzt und Sozialdemokrat Norbert Eckhardt. "Gleichwohl werde ich von Pflegeheimen immer wieder gebeten, der Hausarzt von zugezogenen Patientinnen und Patienten zu werden, was nicht möglich ist. Mehr als Arbeiten können auch Mediziner nicht." So geht es auch den Kolleginnen und Kollegen in der Gemeinde und im Kreis, weiß Eckhardt zu berichten. Seiner Meinung nach wird sich das durch die neuen Gesetze von Bundesgesundheitsminister Spahn nicht ändern. „Da wurde erneut nur viel Bürokratie erzeugt", resümiert Eckhardt. 

Aber woran krankt das Ganze? Als Lehrarzt hat Eckhardt regelmäßig Kontakt zum Nachwuchs. Außerdem ist einer seiner Söhne gerade Arzt geworden und ein zweiter studiert Medizin. „Ich kann aus persönlicher Erfahrung bestätigen, was viele Autoren feststellen, sagt Eckhardt. Die Wünsche an den Beruf haben sich geändert. Geregelte Arbeitszeiten, mehr Zeit für die Familie, sich nicht bis zum Ende der Erwerbstätigkeit auf einen Arbeitsplatz festlegen zu müssen, und der Wunsch, nicht mit betriebswirtschaftlichen Belangen zu tun zu haben, passt nicht zu den Anforderungen einer Tätigkeit in selbständiger Praxis", weiß der Arzt zu berichten. 

So wundert es nicht, dass es schwierig ist, Nachfolger für Praxisinhaberinnen und -inhaber zu finden. Das ist besonders brisant, da in den nächsten zehn Jahren etwa 50% der Hausärzte in Rente gehen. Auf den Punkt gebracht: Die Spezialisten hängen hier um fünf Jahre hinterher. Im Landkreis Harburg sind 25 freie Hausarztsitze nicht zu besetzen. Die nach der Bedarfsplanung vorgesehen Arztzahlen pro Einwohner liegen schon jetzt in einzelnen Regionen des Landkreises nur knapp über der Grenze zur Unterversorgung. 

Ähnliche Schwierigkeiten erleben die Bürgerinnen und Bürger, wenn sie einen Termin beim Spezialisten brauchen. Zum Teil monatelange Wartezeiten sind die Realität von heute. Im Bereich der Spezialisten besteht laut Bedarfsplanung eine Überversorgung. Warum bekommt man trotzdem keinen Termin? Es ist zu fragen, ob der in den 90er Jahren als Kostendämpfungsinstrument und nicht als Versorgungsstandard eingeführte Bedarfsplan bei alternder Bevölkerung tatsächlich zeitgemäß ist. Die Antwort lautet: Nein. Deshalb wurde dieser auch vor kurzem angepasst. Ob diese zusätzlichen Niederlassungsmöglichkeiten das Problem lösen, ist fraglich.

Mehr Ärzte zaubern diese Möglichkeiten nicht her. Einig sind sich alle mit der Versorgung von Patienten Betrauten, die Kassenärztliche Vereinigung und viele Experten, dass sich auch bei den Spezialisten nicht genug Interessenten für eine Praxisübernahme aus eben den genannten Gründen finden werden. Finanzielle Anreizsysteme sind anderorts gescheitert und haben nicht den Erfolg gebracht, den man sich erhofft hat. „Sinn würde es machen, die Arbeitswelt den nachvollziehbaren Wünschen der neuen Generation anzupassen. Dieses könnte mit kommunal getragenen Gesundheitszentren mit angestellten Ärztinnen und Ärzten erfolgen. Der Gesetzgeber hat dazu die Möglichkeiten geschaffen. In Bayern soll dieses großflächig umgesetzt werden. Warum nicht genauso hier“, fragt Eckhardt.

Die Sozialdemokraten freuen sich auf einen spannenden Vortrag und eine anschließend interessante Diskussion zu einem der vielleicht wichtigsten Themen heute und in Zukunft.  

Tobias Handtke                                Norbert Eckhardt

Vorsitzender                                    Vorstandsmitglied

SPD Gemeinderatsfraktion                SPD Unterbezirk LK Harburg