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„Wenn sich der Naturschutz selbst im Wege steht“

Kommentar von Tobias Handtke
SPD Gemeinderatsfraktion Neu Wulmstorf - Vorsitzender

Seit einigen Jahren, spätestens im Rahmen des Verfahrens zur Flurbereinigung Rübke, wurde der Radweg nach Buxtehude thematisiert und gefordert. Ein „Besucherlenkungskreis“ ist installiert worden. Vor Ort sind sich alle einig, dieser Lückenschluss von wenigen hundert Metern wäre ein Beitrag für die Natur und nicht dagegen, denn es bedeutet Mobilität für Fahrradfahrer zu fördern. 

Stattdessen wird diese Variante als die ökologisch „Unglücklichste“ bezeichnet. Ein Radweg direkt an der Bahnlinie. Zu unkontrollierbar für den Wachtelkönig. 

20170811 tobias smallIn der aktuellen Pressemitteilung vom 05.07. des regionalen Amtes für Landesentwicklung wird auf andere Wegevarianten hingewiesen. Nicht nur ich, sondern auch andere ehrenamtliche Kommunalpolitiker fragen sich, welche das denn sind? Das Verfahren wird als schwierig bezeichnet. Eine richtige, aber nicht neue Erkenntnis. Mir fehlt der Hinweis "wie es geht" und nicht wie beschrieben "was alles nicht geht". Dem Bürger ist es nicht zu vermitteln, dass hier ein paar hundert Meter langes Teilstück an der Bahnlinie aus ökologischen Gründen nicht umgewidmet werden darf. Als Bürger erlebt man, wie beim Straßenbau die Kreativität scheinbar grenzenlos ist, warum nicht auch hier über besondere bauliche Abgrenzungen zum Vogelschutz diskutieren. Um Wohngebiete werden Katzengräben errichtet, wenige hundert Meter Radweg sind nicht hinzubekommen, mir fehlen die Worte.

Nun werden die Kommunen als Planungsträger ins Spiel gebracht. Natürlich werden die Gemeinden ihrer Pflicht nachkommen. Das Thema Radschnellwege ist ein ganz wichtiger Baustein für die Mobilität von morgen, vor dem Hintergrund der E-Bike-Mobilität ohnehin. Dieser Radschnellweg ist formal nicht Bestandteil des Lenkungskreises, aber er erhöht doch die Bedeutung dieser gesamten Verbindung Richtung Harburg. Mir fehlt hier die Erklärung und Einsatz des gewählten und zuständigen Landtagsabgeordneten Bernd Althusmann, der ganz nebenbei auch als Verkehrsminister Verantwortung trägt.

Ich erwarte keine Wunder, aber mehr Verständnis und Vermittlung für die Interessen der Menschen, die schon jetzt wegen überlasteter ÖPNV-Verbindungen mit dem Rad zur Arbeit fahren. In der Tat, das tue ich auch und auch wenn mein Weg nicht nach Buxtehude zur Arbeit führt, sondern nach Hamburg, gilt es den Blick über den Gemeinderand hinauszuwerfen. Wie wollen wir Radschnellwege umsetzen, wenn wir hier keine angemessene Lösung erzielen? Es wurde mit dieser Pressemitteilung, ohne den Hinweis auf die Wegevarianten, mehr Unruhe als Zuversicht vermittelt. In dem gesamten Verfahren höre und lese ich seither von den Naturschutzverbänden gar nichts zu dem Thema. Hier geht es um gute Kompromisse im Sinne einer ökologischen Mobilität. Der Wachtelkönig lacht uns aus. Klimaschutz beginnt genau dort!

Tobias Handtke
Vorsitzender
SPD Gemeinderatsfraktion
Neu Wulmstorf

 

Pressemitteilung des regionalen Amtes für Landesentwicklung Lüneburg / Niedersachsen vom 05.07.2019

Umstrittener Radweg zwischen Buxtehude nach Neu Wulmstorf: Arbeitskreis sieht Möglichkeiten für eine Verbindung

Die Chancen für einen durchgehenden Radweg von Buxtehude nach Neu Wulmstorf werden konkreter. Der Arbeitskreis „Besucherlenkung Moore bei Buxtehude“ in der Flurbereinigung Rübke hat dafür jetzt eine Machbarkeitsstudie vorgelegt und darin drei Varianten für eine neue Wegetrasse durch das Naturschutz- und EU – Vogelschutzgebiet vorgeschlagen. Die direkte Verbindung entlang der Bahnlinie ist dabei aus ökologischen Gründen die Unglücklichste.

„Bei allen drei Vorschlägen war es uns wichtig, dass die Natur und insbesondere der dort beheimatete Wachtelkönig möglichst wenig beeinträchtigt werden“, erklärt Bernd Beitzel vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg (ArL). Dafür müssten bestehende Wege unterbrochen und neugestaltet werden, sodass zusammenhängende, beruhigte Zonen innerhalb des Naturschutzgebietes entstehen. „Allen Akteuren in diesem Arbeitskreis ist es sehr wichtig, dass Vorkehrungen getroffen werden, um die Wirkung der Besucherlenkung zu kontrollieren“, so Beitzel, der im ArL als Dezernatsleiter für die Flurbereinigung verantwortlich ist.

Der Arbeitskreis mit Vertretern aus Fachbehörden für Naturschutz und kommunalen Vertretern wurde von der Flurbereinigungsbehörde geleitet.

Das Gremium hat seine Arbeit mit der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie nun abgeschlossen. „Für die Realisierung einer dieser Wegevarianten ist ein konkretes Planungsverfahren unumgänglich. Dazu muss sich zunächst ein Planungsträger bereiterklären“, so die Lande beauftragte Monika Scherf.

Das könne zum Beispiel eine der beteiligten Kommunen sein. Das ArL Lüneburg hatte gemeinsam mit den Fachbehörden für Naturschutz die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben,

weil der Lückenschluss im landwirtschaftlichen Wegenetz aus naturschutzfachlichen Gründen an der Bahnlinie gescheitert war. Die Studie sollte prüfen, inwieweit man die Wegeinnerhalb des Naturschutzgebietes ausdünnen und neugestalten könne. Die direkte Radwegeverbindung zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf ist dabei ein Ergebnis.

Die vollständige Studie wird im August vorliegen. Sie macht den Weg frei für eine radfahrtaugliche Verbindung zwischen den beiden Kommunen.

Eine endgültige Antwort kann jedoch nur das Planungs – und Genehmigungsverfahren einschließlich einer FFH – Verträglichkeitsprüfung liefern.

 

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